Zustand

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Zu|stand ['ts̮u:ʃtant], der; -[e]s, Zustände ['ts̮u:ʃtɛndə]:
Beschaffenheit, Lage, in der sich jmd., etwas befindet; Verfassung:
ihr körperlicher Zustand war gut; das Haus war in einem verwahrlosten Zustand.
Syn.: Bedingungen <Plural>, Gegebenheiten <Plural>, Konstellation, Lage, Sachlage, Situation, Stand, Status, Stellung, Verhältnisse <Plural>.
Zus.: Dauerzustand, Erschöpfungszustand, Geisteszustand, Gemütszustand, Gesundheitszustand, Gleichgewichtszustand, Idealzustand, Rohzustand, Ruhezustand, Schockzustand, Schwächezustand, Schwebezustand, Seelenzustand, Straßenzustand, Verteidigungszustand, Wachzustand.

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Zu|stand 〈m. 1u
1. 〈Phys.〉 Beschaffenheit (eines Stoffes od. eines physikal. Systems)
2. 〈allg.〉 Beschaffenheit, augenblickliche Lage (einer Sache od. Person), Verfassung
● Zustände bekommen, haben Anfälle; der \Zustand des Patienten hat sich gebessert, nicht verändert, verschlechtert; sein: das ist doch kein \Zustand! 〈umg.〉 das kann doch nicht so bleiben!, hier muss sich einiges ändern!; den \Zustand eines Stoffes durch äußere Einflüsse verändern 〈Phys.〉 ● der augenblickliche, heutige, jetzige \Zustand; sein \Zustand ist bedenklich, beklagenswert, hoffnungslos, mitleiderregend; das Grundstück befindet sich in bestem, gutem \Zustand; körperlicher, krankhafter, moralischer, nervöser, seelischer \Zustand; die politischen, wirtschaftlichen Zustände im Lande; den schlechten \Zustand einer Ware beanstanden; der Garten ist in einem unbeschreiblichen, verwahrlosten \Zustand; es herrschen dort unhaltbare, unerträgliche Zustände ● in diesem \Zustand kann ich dich unmöglich allein lassen

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Zu|stand: im physikal. Sinn die Gesamtheit aller Größen eines Systems, die dieses zu jedem Zeitpunkt in seinen Eigenschaften u. seinem Verhalten eindeutig beschreiben, z. B. Gleichgewichts-Z., stationäre, labile, kritische Z., Aggregatzustände usw. Zur Beschreibung des Z. eines thermodynamischen Systems im Gleichgewicht genügt die Angabe von zweien der drei Zustandsgrößen p, T u. V, denn die dritte folgt jeweils aus der thermischen Zustandsgleichung. Die Z. mikrophysikalischer Systeme (z. B. Anregungs-, Übergangs-, Grundzustände) werden durch Quantenzahlen u. Terme charakterisiert.

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Zu|stand , der; -[e]s, Zustände [zu veraltet zustehen = dabeistehen; sich ereignen]:
a) augenblickliches Beschaffen-, Geartetsein; Art u. Weise des Vorhandenseins von jmdm., einer Sache in einem bestimmten Augenblick; Verfassung, Beschaffenheit:
ein normaler, ungewohnter Z.;
der ursprüngliche, natürliche, momentane, damalige Z.;
ihr körperlicher, psychischer, geistiger Z. ist bedenklich, hat sich gebessert, wird immer schlimmer;
der feste, flüssige, gasförmige Z. (Aggregatzustand) eines Stoffes;
das Auto ist alt, aber [noch] in gutem Z.;
in betrunkenem Z.;
sie befand sich in einem Z. der Panik, der Verzweiflung, im Z. geistiger Verwirrung;
die Gebäude sind alle in einem ordentlichen, verwahrlosten, jämmerlichen Z.;
in deinem Z. (ugs.; in diesem fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft) willst du noch verreisen?;
Zustände bekommen/kriegen (ugs.; wütend, ärgerlich werden; sich sehr aufregen, ärgern);
b) augenblicklich bestehende Lage, Situation, Verhältnisse:
ein gesetzloser, chaotischer Z.;
der derzeitige, gegenwärtige, vorherige Z.;
die wirtschaftlichen, sozialen, politischen Zustände in einem Land;
hier herrschen unerträgliche, paradiesische Zustände;
die Zustände in dem Krankenhaus müssen geändert werden;
das ist ein unhaltbarer Z.!;
R das ist doch kein Z.! (ugs.; so kann es nicht bleiben, das muss geändert werden);
[das sind ja] Zustände wie im alten Rom! (ugs.; das sind ja üble, schlimme, unmögliche Verhältnisse!)

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Zustand
 
[zu veraltet »zustehen«, »dabeistehen«, »sich ereignen«], Physik: die Gesamtheit der physikalischen Variablen, die ein System zu jedem Zeitpunkt in seinen Eigenschaften und seinem Verhalten eindeutig beschreiben. Abhängig von der Art des Systems und der physikalischen Betrachtungsweise unterscheidet man mikroskopische Variablen (z. B. Ortskoordinaten und Geschwindigkeiten einzelner Teilchen) und makroskopische Variablen (z. B. die thermodynamischen Zustandsgrößen eines Systems). Nehmen diese Variablen feste Werte an, so befindet sich das System in einem definierten Zustand. Häufig wird bei der Bezeichnung eines Zustands das besonders interessierende Charakteristikum hervorgehoben (z. B. Aggregatszustand, homogener oder heterogener Zustand, Gleichgewichts- oder Ungleichgewichtszustand, stationärer, stabiler, kritischer Zustand).
 
Im Fall des für die Thermodynamik wichtigen thermischen Gleichgewichts ist der Zustand eines Systems durch die Angabe von zwei der drei thermischen Zustandsgrößen Druck, Temperatur und Volumen festgelegt; die dritte stellt sich entsprechend der für den betrachteten Stoff charakteristische Zustandsgleichung ein. Die Änderung einer Zustandsgröße führt zu einer entsprechenden Zustandsänderung. Die Darstellung der möglichen Zustände eines thermodynamischen Systems erfolgt mithilfe von Zustandsdiagrammen.
 
In der Quantenmechanik charakterisiert der Begriff des Zustands die Kenntnis, die ein Beobachter von einem mikrophysikalischen oder quantenmechanischen System hat. Lässt sich die gesamte Kenntnis über ein solches System mit einem Zustandsvektor |a > (Ket, Quantenmechanik) im abstrakten Hilbert-Raum oder z. B. in der Ortsdarstellung dieses Vektors als Wellenfunktion ψa (Zustandsfunktion) angeben (in einer anderen Darstellung kann er eine Zahlenfolge sein), sagt man, das System befinde sich in einem reinen Zustand (in der Quantenmechanik wird unter Zustand im engeren Sinn immer solch ein reiner Zustand verstanden). Ein Zustand wird durch die Messung einer Observablen A an dem betreffenden System »hergestellt«, ein reiner Zustand ist dann gegeben, wenn jede Messung dieser Observablen das gleiche Ergebnis (z. B. a ) hat: A |a > = a |a > oder Aψa = aψa; a ist dann ein Eigenwert (gegebenenfalls eine Quantenzahl) dieses Operators, |a > ein Eigenvektor und der so beschriebene Zustand ein Eigenzustand. Zur vollständigen Bestimmung eines reinen Zustands gehört die Messung eines vollständigen Satzes von Observablen; der Zustand ist z. B. dann vollständig beschrieben, wenn die Werte aller für ihn überhaupt möglichen Quantenzahlen angegeben sind. Wenn eine Messung an einem System mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit unterschiedliche Ergebnisse ergibt, dann befindet das System sich in einem gemischten Zustand (Quantenstatistik). - Als Grundzustand wird der Zustand niedrigster Energie eines Systems bezeichnet, als angeregter Zustand entsprechend ein Zustand, der durch Energiezufuhr erreicht wird. Spezielle angeregte Zustände sind die metastabilen Zustände. Hat eine Observable für mehrere verschiedene (durch andere Observablen definierte) reine Zustände den gleichen Messwert (Quantenzahl), dann werden der Zustand und der entsprechende Zustandsvektor bezüglich dieser Observablen als entartet bezeichnet (Entartung).

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Zu|stand, der; -[e]s, Zustände [zu veraltet zustehen = dabeistehen; sich ereignen]: a) augenblickliches Beschaffen-, Geartetsein; Art u. Weise des Vorhandenseins von jmdm., einer Sache in einem bestimmten Augenblick; Verfassung, Beschaffenheit: ein krankhafter, normaler, ungewohnter, tranceähnlicher Z.; der ursprüngliche, natürliche, momentane, damalige Z.; ihr körperlicher, psychischer, geistiger Z. ist bedenklich, hat sich gebessert, wird immer schlimmer; der bauliche Z. des Hauses war einwandfrei; der feste, flüssige, gasförmige Z. (Aggregatzustand) eines Stoffes; das Gemüse in möglichst frischem, in rohem Z. verzehren; Sie ... lag stundenlang in einem Z. zwischen Schlaf und Ohnmacht (Thieß, Legende 103); das Auto, das Haus, die Maschine ist alt, aber [noch] in gutem Z.; er hat in seinem betrunkenen Z. allerlei angestellt; sie befand sich in einem Z. der Panik, der Verzweiflung, im Z. geistiger Verwirrung; die Gebäude sind alle in einem ordentlichen, verwahrlosten, jämmerlichen Z.; er wurde in äußerst kritischem Z. (Gesundheitszustand) operiert; in deinem Z. (ugs.; in diesem fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft) willst du noch verreisen?; *Zustände bekommen/kriegen (ugs.; wütend, ärgerlich, rasend werden; sich sehr aufregen, ärgern); b) augenblicklich bestehende Verhältnisse; Lage, Situation: ein gesetzloser, chaotischer Z.; der derzeitige, gegenwärtige, vorherige Z.; die wirtschaftlichen, sozialen, politischen Zustände in einem Land; hier herrschen unerträgliche, unmögliche, paradiesische Zustände; die Zustände in dem Krankenhaus müssen geändert werden; das ist ein unhaltbarer Z.!; In was für Zuständen leben wir eigentlich? (Dönhoff, Ära 57); R das ist doch kein Z.! (ugs.; so kann es nicht bleiben, das muss geändert werden); [das sind ja] Zustände wie im alten Rom! (ugs.; das sind ja üble, schlimme, unmögliche Verhältnisse!).

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Zustand — Sm std. (16. Jh.), fnhd. zuostant, mndd. tōstant, mndl. tōstant Stammwort. Abstraktum zu zustehen in dessen verschiedenen Bedeutungen; im 17. Jh. verallgemeinert zu Stand (Stand der Dinge u.ä.); dann verschoben von dem beobachtbaren Stand zu der… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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